Konzert: The Cure in Berlin (18.10.2016)

The Cure in Berlin

Et voila! Die Mercedes Benz Arena – der größte Indoor-Austragungsort der Hauptstadt für Massenveranstaltungen jeder Art – beherbergt heute Abend mit The Cure ein Urgestein der Gothic Szene. Wer hat nicht den ersten eigenen Kassettenrecorder mit ‚Killing an Arab‘, ‚10.15 On a Saturday Night‘ und ‚The Hanging Garden‘ einem fast meditativen Belastungstest unterzogen oder sich in schöner Regelmäßigkeit beim Buchstabieren von ‚Fire in Cairo‘ die Zunge verknotet?

The Cure in der Mercedes Benz Arena

Die Schöpfer dieser Hymnen, die sich getrost als Gründungsmitglieder einer ganzen Szene verstehen dürfen, welche heute für weit mehr als nur Musik steht, gastieren nun also heute Abend in der Hauptstadt. Liebe Freunde – wir haben heute was wichtiges vor!!!

Die Halle bietet einen für meinen Geschmack bizarren Rahmen. Als wäre nicht das omnipräsente Daimler-Marketing schon schwierig genug, gibt es hier auch ausgestellte Modelle, die die zweifelhafte Atmosphäre einer Automobilmesse verströmen. In meinen Augen vollkommen unpassend zwischen all den schwarzen Kutten.

Aber wenn man sich an diesen Future-Pop-Exponaten vorbeigekämpft hat, geht’s in die eigentliche Arena, in der die Getränke zu für Berliner Verhältnisse unverschämten Preisen feilgeboten werden.

Aber es soll ja hier nicht um die Location gehen sondern um unser aller Post-Punk Helden. Normalerweise würdigt man ja jetzt erst mal den  Support-Act mit ein paar warmen Worten – aber The Twilight Sad haben auf mich einen eher farblosen Eindruck gemacht. Deshalb überspringe ich den Teil. Das war jedoch überhaupt nicht schlimm, denn The Cure haben ein mehr als dreistündiges Set abgespult, was so ziemlich jeden zufrieden gestellt haben dürfte.

Konzert The Cure in Berlin 2016

Ein Abend voller Hymnen

Vom Erscheinungsbild her waren The Cure sehr klassisch und in gewohntem althergebrachten Styling unterwegs. Auch wenn die Herren inzwischen – wie ihre Weggefährten ja auch – durchaus ein paar Lenze zählen, wirkten sie dennoch nicht alt auf der Bühne. Simon war sogar richtig hippelig. Wie ein wild gewordener Flummy tobte er zeitweise über die Bühne. Gespannt war ich insbesondere, wie Reeves Gabrels die zweifellos heikle Aufgabe meistern wird, Lorence zu ersetzen.

Und die Herren haben sich wahrlich nicht lumpen lassen. Mit ‚Shake Dog Shake‘ fiel die Wahl auf einen kultigen und immer wieder sehr imposanten Opener. Es folgte Hymne auf Hymne. ‚Fascination street‘, ‚A Night like this‘, ‚One hundert years‘, ‚Boys don’t cry‘, ‚In between days‘, ‚Just like heaven‘, ‚A forest‘, ‚The caterpillar‘, … Es ging Schlag auf Schlag. Der einzige Track,  der mir gefehlt hat, war ‚Killing an Arab‘ – aber das war angesichts der Fülle an Wunschnummern durchaus zu verschmerzen.

Reeves hat übrigens einen großartigen Job gemacht, wenngleich Lol zu seiner Zeit die deutlich coolere Figur abgegeben hat – und natürlich den Urgestein-Bonus für sich verbuchen konnte.

The Cure live in Berlin Oktober 2016

Der Sound war übrigens glasklar, aber für meinen Geschmack etwas zu leise. Dennoch: die Instrumente waren astrein lokalisierbar und standen untereinander in einem sehr authentischen Verhältnis. Ein Lob an den offenbar sehr guten Toni am Pult.

Licht und Video waren großartig inszeniert. Nicht zu viel, nicht zu wenig und mit Geschmack akzentuiert. Auch hier gab es keinen Grund zur Nörgelei.

Alles in allem haben die Jungs eine fantastische Show gespielt und dürften damit die durchaus hohen Erwartungen  ihrer Jünger bestens erfüllt haben. Da bleibt nur zu hoffen, dass es nicht wieder 8 Jahre dauert, bis sich die Gelegenheit einer musikalischen Zeitreise erlesener Qualität  erneut bietet. Schließlich werden wir alle nicht jünger… 😉

Fotos: Rico


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Über Rico:

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